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Archiv für den Monat: Januar 2022

Es hat schon seinen Grund

Es hat schon seinen Grund

Nicht nur ich finde es sehr befremdend, was seit Kickl in der FPÖ los ist. Ohne dem leidigen Corona-Thema ist von den einst Liberalen nicht mehr viel übrig. Dabei gibt es nicht einmal einen Arzt in einer wichtigen Funktion – außer dem Möchtegern-Doc „Meister Kickl“, der nur allzu gerne in dieser „Funktion“ seine Forderungen stellt: „Weg mit dem Impfzwang“, „Weg mit dem Testwahnsinn“, „Weg mit dem Maskenzwang“, „Weg mit dem Lockdown für Ungeimpfte“, „Weg mit den Einsperrfantasien„.

Es hat schon seinen Grund, warum es in der Partei keinen seriösen Arzt gibt, der auch nur eine dieser Forderungen mitträgt. Für einen Solchen wäre es ein absoluter Gewissenskonflikt zwischen Berufsethos (Impfbefürwortung) und Parteidisziplin (Impfgegnerschaft). Es ist zwar völlig klar, dass nach und nach alle Maßnahmen auch wegfallen werden, aber der Zeitpunkt ist denkbar ungeeignet – zumal diese Omikron-Welle noch nicht einmal ihren Höhepunkt erreicht hat. Dieser wird erst Anfang bis Mitte Februar erwartet.

Nicht einmal seine „Wurmtruppen“ sind sich einig. Natürlich gibt es keine öffentliche Kritik aus eigenen Reihen und sogar ein Großteil ist selbst geimpft. Als „Zeichen der Solidarität“ tragen allerdings die Blau-Braunen keine Masken. Es ist davon auszugehen, dass bei einem ordentlichen Parteitag im heurigen Jahr Kickl und seine Aggro-Strategie auf dem Prüfstand stehen.

In diesem Jahr werden sich die FPÖ-Granden entscheiden müssen, ob sie wieder politikfähig sein wollen, oder immer weiter nach rechts ausscheren. Rechtsradikale Politiker, wie Kickl handeln gerade noch innerhalb der verfassungsmäßigen Grundordnung – auch wenn die Grenzen zum radikalen und gewalttätigen Rechtsextremismus immer häufiger überschritten werden.

Es hat schon seinen Grund, warum in erster Linie das rechtsextreme Spektrum von Kickl bedient wird. Das sind „sichere“ Wählerstimmen und Keiner beherrscht das Fischen im Piranhateich so wie der Impf-Taliban. Sein Rezept ist so simpel, wie die Zubereitung von einem Frühstücksei: Unzufriedenheit in der Bevölkerung schüren, Lügen verbreiten und gegen die Regierung hetzen. Dabei bietet er eine scheinbar einfache Lösung an und die heißt Kickl. Dass er kein einziges der vorhandenen Probleme auch nur ansatzweise lösen könnte, versucht er, mit seiner Aggro-Strategie zu verschleiern.

Es hat schon seinen Grund, warum die FPÖ in der Führungsriege nur unqualifizierte Schreihälse hat. Jemand, der in der Lage ist, wenigstens ansatzweise von zwölf bis Mittag zu denken, kann unter Kickl keine wichtige Position bekleiden. Solche „Mitarbeiter“ wären ein zu hohes Risiko für den so „hart an seiner Position arbeitenden“ Parteichef.

Es hat schon seinen Grund, warum sich die FPÖ so sehr am Thema „Corona“ wie ein Kettenhund festbeißt, denn realistisch betrachtet, ist es das EINZIGE Thema, mit dem man zumindest einen bestimmten Teil der Bevölkerung erreicht. Es ist allgegenwärtig und es betrifft jeden. Aber was passiert, wenn plötzlich Corona nicht mehr präsent ist? Die gegenwärtig 20 %, die Kickl ködern kann, gäbe es ohne Corona nicht und die Partei dürfte mit dieser Strategie dorthin zurückkehren, wo sie hingehört – irgendwo zwischen 3 % und 8 %. Das Flüchtlingsthema ist zwar nach wie vor vorhanden, aber es reicht eben nicht, um der ÖVP diesbezüglich den Rang abzulaufen, denn auch die diesbezügliche Position der ÖVP ist klar.

Wenn die FPÖ nicht lernt, mit zivilisierten Leuten ihre Positionen zu besetzen und nur mit ihrer Krawalltruppe arbeitet, wird es mittelfristig eine liberale (offiziell blaue) Partei nicht mehr lange geben, wenn erst das aktuelle Leitthema Geschichte ist.

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Nicht vertrauenswürdig

Nicht vertrauenswürdig

355 Ärzte, darunter mindestens 91 Allgemeinmediziner haben einen Brief an Kammerpräsidenten Szekeres geschrieben, in dem sie nicht nur die Impfung als „unwirksam“ bezeichnen, sondern auch behaupten, dass Impfschäden vertuscht wurden. 170 davon wollen aber anonym bleiben und hätten angeblich ihre Unterschrift notariell hinterlegt, weil sie Repressalien befürchten.

Bei einer Zahl von 47.674 Ärzten in Österreich mag der Anteil von 355 Ärzten nur ein kleiner Teil (0,7 Prozent) sein, aber auch die genießen das unberechtigte Vertrauen ihrer Patienten. An der Spitze der „Ärzte“, die den schon bekannten sieben Seiten langen Brief an Kammerpräsidenten Szekeres unterzeichnet haben, steht der gefeuerte Andreas Sönnichsen, den die FPÖ gerne als „Aushängeschild“ für ihre kruden Theorien nutzt. Er hatte auch an der Med. Uni in Wien mehrmals gegen die hausinternen Corona-Regeln und entsprechende Weisungen verstoßen.

Die FPÖ spricht im Rahmen einer Pressekonferenz vom „größten Medizinskandal aller Zeiten“ und erwähnt wieder einmal die bereits mehrfach widerlegte Falschbehauptung, dass auf den Intensivstationen überwiegend Geimpfte liegen würden. Der „Vorzeige-Arzt“ Sönnichsen ist bekanntlich auch im Beirat der MFG Salzburg aktiv und hetzt gegen PCR-Tests, Maßnahmen, Masken und Impfungen. Seit Februar ist er außerdem  Mitglied der Querdenken-Partei „Die Basis“, die wiederum gemeinsam mit der NPD und dem 3. Weg arbeitet.

In diesem Brief findet sich auch DDr. Christian Fiala, der bereits vor 20 Jahren als AIDS-Leugner mit Sprüchen, wie „Menschen in Afrika sterben halt einfach, weil sie arm sind, aufgetreten ist.  Der Effekt von HIV wäre überbewertet. Bei der MFG behauptet er, dass die Impfung zu einer programmierten Autoimmunzerstörung von körpereigenen Zellen führen würde und das Virus wäre nur ein Vorwand, um das Volk zu unterdrücken. Also die Leitsprüche von Kickl und Gefolgschaft.

Als Beispiele werden Vorfälle aus Norwegen herangezogen, um die Unwirksamkeit der Impfung bei der Omikron-Variante zu „belegen“. Fakt ist aber, dass Geboosterte auch noch nach längerer Zeit zu 83 Prozent vor einem Krankenhausaufenthalt geschützt und und zu 99,2 % vor schweren Verläufen und Todesfällen. DAS IST DIE AUFGABE DER IMPFUNG. Auch die Behauptung, dass für gesunde Menschen unter 65 Jahren die Impfung nichts bringen würde, ist absolut falsch. Und die „Nebenwirkungen“? Etwa drei Viertel der leichten Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Fieber und Kopfschmerzen folgen der Erwartungshaltung – sind also eingebildet.

Natürlich kann man nicht im Vorfeld schon wissen, welcher „Arzt“ zur Leugner-Riege gehört, aber man sollte grundsätzlich sehr skeptisch sein, wenn ein Arzt so „nebenbei“ von einer Nutzlosigkeit der Impfung spricht. Es stellt sich dann unter Umständen schnell heraus, dass so ein „Arzt“ nichts taugt.

 

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Maßnahmen aufheben?

Maßnahmen aufheben?

Es gab in den letzten beiden Jahren immer wieder die seltsamsten Ideen in Bezug auf die Corona-Krise. Für Rechtsradikale, wie Klein-Herbert und der FPÖ immer wieder ein willkommener Anlass, uns alle mit Desinformationen und Verschwörungstheorien zu versorgen.

Eine der schrägsten Verschwörungstheorien ist der „Great Reset“, nach dessen hausgemachten „Regeln“ die bisherige Ordnung sowieso grundverkehrt sein soll und deshalb ein großer Umbruch geplant wäre, der die Corona-Krise nur dazu nutzt, ein völlig neues weltweites Gesellschaftsmodell etablieren soll.

Eine dieser „heimischen Vertreterinnen Inge“ war auch mit ihrem „Infostand“ in Graz zu sehen, mit dem sie versucht, den Menschen klarzumachen, dass positiv Getestete sowieso nur „fälschlicherweise“ als Infizierte bezeichnet werden und dass das Virus gar nicht krank machen würde. Die vielen Toten wären alle sowieso verstorben und es würde ihnen nur das Schild „Corona-Fall“ an den Zeh gebunden. Verschwörungsmythen sind immer Radikalisierungsbeschleuniger und viele Verschwörungsglaubende fordern schon lange ein Aufheben aller Maßnahmen, die dieser Pandemie  entgegenwirken können.

Inzwischen werden auch die politischen Befürworter dieser Idee immer zahlreicher. Da spielt es nur noch eine untergeordnete Rolle, dass ich z.B. für eine Fortsetzung des Lockdowns für Ungeimpfte und andere aktuelle Maßnahmen bin. Fakt ist, dass bei körpernahen Dienstleistern, im Fitnesscenter und vor allem in Restaurants und im übrigen Gastgewerbe entgegen aller Behauptungen der Betreiber ein hohes Risiko vorhanden ist.

Dort geht man nicht nur kurz rein und raus, sondern verbringt eine längere Zeit. In Lokalen sitzt man oft mehrere Stunden ohne Maske neben fremden Menschen, die zu einem großen Teil nicht nur ungeimpft sind, sondern sich auch als potenzielle Virenschleudern extrem gefährdend verhalten.

Natürlich können sich auch Geimpfte anstecken und das Virus – wenn auch in geringerem Ausmaß – weitergeben. Doch je besser der eigene Immunschutz ist, umso mehr sinkt auch das Infektionsrisiko für andere. Das Problem im Handel ist auch, dass sich besonders Impfverweigerer und politische Umsturzfans auch in Geschäften, bzw. in Einkaufszentren an GAR NICHTS halten und auch die Masken von ihnen im besten Fall als Kinnhalter getragen werden. Das Schlimmste dabei: Das tun sie nicht, aus Gründen der Fahrlässigkeit, sondern mit voller Absicht, um ihre „angestrebte Durchseuchung“ um jeden Preis durchzusetzen.

Für solche Figuren spielt es keine Rolle, ob dabei (noch nicht vollständig) geimpfte, oder nicht impfbare Personen großen gesundheitliche Schäden davontragen. Daher sollte an allen Orten, an denen eine größere Anzahl von fremden Menschen für längere Zeit zusammenkommt, keinesfalls eine bestehende Maßnahme aufgehoben werden.

Auch, wenn ab Februar die Impfpflicht gilt, darf man nicht vergessen, dass es Leute gibt, die lieber ewig Strafen zahlen, als sich impfen zu lassen, aber man muss auch bedenken, dass nicht eine Woche nach Inkrafttreten der Impfpflicht, plötzlich eine Impfquote von 90 % erreicht wird. Daher muss unbedingt verfügt werden, dass es zu einem Aufheben der Maßnahmen erst kommen kann, wenn eine angemessene Impfquote erreicht wurde – auch wenn Handelsvertreter, blau-braune Rechtsradikale und andere „Nichtdenker“ ein sofortiges Aufheben von Schutzmaßnehmen ohne Bedingungen  fordern.

Gerade bei der Omikron-Variante dürften die Infektionszahlen und damit auch die Quarantänezahlen nach oben schießen und auch, wenn die Intensivbetten-Belastung durch die Impfung langsam sinkt, werden die Belastungen auf den Normalstationen massiv steigen.

Es spricht zwar viel dafür, dass aus der Pandemie bei uns ein epidemischer Zustand wird, den man mit einer jährlichen Impfung in den Griff bekommen wird, aber wir sind noch lange nicht dort, wo die Gefahr überschaubar wäre. Das sollten die „Forderer“ endlich einmal kapieren, denn es wäre ein kapitaler Fehler, ihrem Drängen ohne weiteres nachzugeben und jede Demo, jede unkontrollierte Zusammenkunft, ist absolut kontraproduktiv.

 

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Rechts, rechter, FPÖ

Rechts, rechter, FPÖ

Während die Zustimmung zur Impfpflicht immer größer wird – laut einer Umfrage von Unique Research liegt die Zustimmung zwischen 83 (ÖVP) und 66 Prozent (NEOS) – radikalisiert sich die FPÖ immer weiter. Es geht im aktuellen Fall um Peter Aschauer, der neue Büromitarbeiter des Generalsekretärs Michael Schnedlitz und seit rund einem Jahr Landesobmann der Freiheitlichen Jugend Burgenland.

Seine Nähe zu den Identitären ist ebenso bekannt, wie die gemeinsamen Auftritte bei Veranstaltungen und Corona-Demos direkt neben Identitären und Neonazis. Schnedlitz hat dazu eine ganz eigene Meinung: „Es gibt in der FPÖ keine Diskussion zu diesem Thema. Bei der Identitären Bewegung handelt es sich aus unserer Sicht um eine Art NGO auf der rechten Seite„.

Der einstige Vorstandsbeschluss: „Es wäre nicht möglich, gleichzeitig bei den Identitären und der FPÖ Mitglied zu sein“ ist vergessen und Michael Schnedlitz stellt sich klar hinter Aschauer: „Peter Aschauer hat gute Arbeit geleistet bei der freiheitlichen Jugend. Man muss politischen Nachwuchs fördern„. ich frage mich zwar, was rechtsextreme Terroristen mit dem politischen Nachwuchs zu tun haben, aber es passt in das Bild der FPÖ.

Aschauer sagt dazu: „Ich bin kein Mitglied der Identitären Bewegung – wobei es durchaus sein kann, dass diese freiheitliche Positionen vertritt und es inhaltliche Überschneidungen gibt. Etwa, wie übrigens auch Greenpeace in der Frage zu Atomstrom“ Nur damit ich das auch richtig verstehe: Er vergleicht die Identitären mit Greenpeace. Ein Schlag ins Gesicht ALLER NGOs.

Dass der Verfassungsschutz die Identitären seit ca. 10 Jahren als eine der wesentlichen Trägerinnen des modernisierten Rechtsextremismus auf dem Schirm hat und diese „Organisation“ z.B. in Frankreich bereits verboten ist, spielt auch für die FPÖ keine Rolle. Vielleicht sollte der Verfassungsschutz die gesamte FPÖ unter die Lupe nehmen. Gründe genug würden mir dazu einfallen.

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Krank sein wie früher

Krank sein wie früher

Was soll man zu der neuesten Forderung der FPÖ sagen?  Der Wiener FPÖ-Boss Dominik Nepp fordert die Aufhebung sämtlicher Corona-Maßnahmen in Österreich: „Sowohl Bundes- als auch die rot-pinke Stadtregierung sollten sich ein Beispiel an Ländern wie Großbritannien, Spanien oder Israel nehmen, wo man trotz hoher Fallzahlen zur Normalität zurückkehrt“. Er will umgehend die 2G-Regel und Sperrstunde abzuschaffen und auch die Nachtgastronomie wieder zu öffnen.

Die Aussagen von Nepp erzeugen bei mir im günstigsten Fall ein schallendes Gelächter: „Viele Menschen in Spitälern werden dort zufällig positiv getestet, obwohl sie wegen einer anderen Erkrankung in Behandlung sind“ Das ist schon fast unmöglich, weil Patienten mit anderen Erkrankungen – wenn überhaupt – dann nur vereinzelt aufgenommen. Bei dieser Aussage frage ich mich auch, welche Diagnose denn genehm wäre: „Es ist ein Skandal, dass diese als Corona-Patienten gezählt werden„?

Die schon bekannte Ansicht, dass Risikogruppen sich gefälligst zu Hause vergraben sollten, kennt man ja und sie bestätigt sich mit solchen Aussagen: „Schutzmaßnahmen sind damit nur mehr für besondere Risikogruppen notwendig“ Die Logik von Nepp muss man erst einmal verstehen können und ich gebe zu, dass ich damit Probleme habe: „Damit braucht es auch keine Massentests und Quarantänebeschränkungen mehr. Die Lösung ist einfach: Wer sich krank fühlt, bleibt zu Hause und soll sich testen lassen. Wer sich gesund fühlt, lebt normal ohne Einschränkungen weiter

Er geht doch tatsächlich davon aus, dass Covid-19 nichts weiter wäre, als eine nicht ansteckende Erkältung, die ohnehin von selbst wieder verschwinden würde. Äußerst bedenklich finde ich allerdings die Aussage: „Krank sein wie früher ist angesagt, jetzt und sofort

Ich weiß zwar nicht, welche Krankheit er im konkreten Fall meint, aber „blöd sein wie früher“ klappt schon einmal ganz gut bei der FPÖ. Früher – da sind die 1930er Jahre gemeint, in denen man alles „gefressen“ hat, was politisch vorgesetzt wurde. Ich erwarte nicht, dass der Parteisoldat Dominik Nepp von der vorgegebenen Parteilinie abweicht. Aber er sollte sich wenigstens geschlossen halten, wenn es um Dinge geht, die nicht einmal die blau-braune „Hausärztin“ Dagmar Belakowitsch ansatzweise versteht.

Solche Aussagen bringen mich zu einer ganz entscheidenden Frage: Wie viele Pandemien haben Kickl, Nepp und die gesamte FPÖ schon erlebt, um beim Erfahrungsschatz aus dem Vollen schöpfen zu können?

 

 

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Ebenen des Misstrauens

Ebenen des Misstrauens

Misstrauen gegenüber „Andersdenkenden“, gegenüber jeder Autorität, gegenüber allem, das unbequem erscheint, hat System. Doch dieses Misstrauen ist vor allem die eigene Ohnmacht, sich und die unmittelbare Umwelt nicht mehr im  Griff zu haben. Je eingeschränkter der Horizont ist, umso radikaler erscheinen Personen, die offenbar in verschiedenen Ebenen denken.

Ebene 1

Hier wird in erster Linie alles aufgesaugt, was einfach und billig – d.h. ohne große Einschränkungen – zu haben ist. Das Internet ist dabei der hilfreichste Komplize. Im Gegensatz zu früher, als man sich noch durch unzählige Bücher durchkämpfen musste, um wenigstens ein paar Informationen zu bekommen, reichen heute ein paar Klicks, um so ziemlich jeden Blödsinn als absolute „Wahrheit“ anzunehmen. Bequeme Antworten auf Fragen, die nicht so einfach zu beantworten sind.

Einerseits wird von der Gesellschaft verlangt, dass man Dinge aus eigener Kraft schafft und andererseits fühlt man sich als Getriebener unkontrollierbarer Kräfte. Das beste Beispiel ist da Bill Gates. Die Frage, warum ein einzelner Mann so viel Geld hat, während andere nicht einmal ihre Stromrechnung bezahlen können, übersteigt den Horizont von vielen Menschen.

Arbeitszeiten werden flexibler, länger und unregelmäßiger, der weitere Berufsweg ist voller Unsicherheiten und Kinder muss man sich schon leisten können. Dieser Kontrollverlust führt auf direktem Weg in die Verschwörungsfalle, die nur allzu gerne angenommen wird.

Ebene 2

Wenn man sieht, dass aus eigener Kraft nicht zu erreichen ist, was man sich für sein Leben vorstellt, muss der Logik nach jemand verantwortlich sein, der über einem selbst steht. Das ist in den Köpfen der meisten Menschen der Staat. Darüber scheint es gar nichts mehr zu geben. Daher ist das Hassobjekt in dieser Phase eben der Staat, der nicht dafür sorgt, dass Erwartungen erfüllt werden und da an der Spritze des Staates die Regierung steht, MUSS ganz einfach die Regierung an allem Übel schuld sein. So wird die 2. Ebene des Misstrauens erreicht und die ist schon gefährlich genug, denn sie beinhaltet bereits die Gewaltbereitschaft gegen jede Art von Autorität.

In diesem Stadium wird nach der eigenen Identität gesucht und die findet man am ehesten unter Gleichgesinnten. Unzufriedene, die ihr eigenes Leben nicht mehr auf die Reihe bekommen, sich zu lautstarken Demonstrationen versammeln, wobei es völlig egal ist, wogegen sie demonstrieren, denn es zählt nur das „Wir-Gefühl“. Die rechtsradikalen Rattenfänger wie Kickl und Co freien sich, denn durch diese Leute finden sie eine scheinbare Zustimmung, die sie sonst nie erfahren würden.

Ebene 3

Hier sind wir teilweise schon angekommen. Es ist das Misstrauen gegen andere Mitmenschen, die ganz andere Gedankengänge haben. Diejenigen, die noch nicht von dem Virus des Misstrauens befallen sind und vielleicht gerade einmal das erste Stadium (wenn überhaupt) erreicht haben. Dieses „erweiterte“ Misstrauen, richtet sich nicht nur gegen Autoritäten, sondern gegen alle, die nicht in das Schema dieser Misstrauens belastenden passen. Ärzte, Pflegepersonal, alle, die ihnen widersprechen und die noch halbwegs klar denken können, um einen unhaltbaren Zustand, den das Virus seit knapp 2 Jahren verursacht, einzuschränken bzw. zu beenden. Es ist die gefährlichste Phase, die bei den Misstrauischen jede Hemmung fallen und der Aggression freien Lauf lässt.

Die vierte Ebene würde den Bürgerkrieg bedeuten, denn irgendwann werden auch die geduldigsten denkenden Menschen nicht mehr einfach nur zusehen und was passiert, wenn auch das tägliche Leben der geimpften Bevölkerung (die aktuellen Feindbilder) so massiv eingeschränkt wird, dass es nicht mehr „lebenswert“ ist? Wenn die Exekutive die friedlichen Menschen nicht mehr schützen kann und auch bei ihnen z.B. keine Lebensmittel mehr ankommen? Diese Ebene will ich gar nicht sehen, doch sie ist auch nicht so weit weg, wie man annehmen möchte.

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Je absurder, umso besser

Je absurder, umso besser

Man könnte glauben, dass sogar die Fantasie der Impfverweigerer irgendwo ihre Grenzen hat. Diese Hoffnung wurde letzten Nacht bei mir völlig zerstört, nachdem ich FPÖ-nahe Magazine durchgearbeitet habe. Dort finden sich Geschichten, die trotz aller Widersprüche bei den bildungsfernen Anhängern von Kickl & Co absolut glaubhaft erscheinen.

Die erweiterte Version der Impfverweigerer zielt nicht mehr generell auf die Covid-19 Impfung, sondern nur auf die Boosterimpfung, die sich die 58-jährige Invalidenrentnerin Monika Raidl, die angeblich stark gesundheitlich beeinträchtigt wäre, „nur über ihre Leiche“ verabreichen lassen will, : „Ich wurde am 9. Juni und am 21. Juli vorigen Jahres mit ‘Pfizer BioNTech’ geimpft und bin seitdem zu nichts mehr zu gebrauchen. Ich habe ständige Kopf- und Gliederschmerzen, Konzentrationsstörungen, Schweißausbrüche, Atemnot und ein ständiges Brennen im Hals. Dazu Husten, Schnupfen, Übelkeit und Durchfall“ Sie hätte ihrer Ansicht nach gar nicht geimpft werden dürfen.

Sie beschwert sich natürlich, dass sie keine ärztliche Bestätigung bekommt, um sich nicht impfen lassen zu müssen: „Kein Arzt stellt mir ein Attest aus, obwohl ich seit der Impfung an starken Nebenwirkungen leide„. Zur Erinnerung: Wir reden hier von der Boosterimpfung. Sie hat also schon 2 Teilimpfungen erhalten. Die Krönung ihrer Aussagen: „Messungen mit dem Fieberthermometer hätten meist eine Körpertemperatur um die 31 Grad Celsius ergeben“ Ich weiß zwar nicht, was sie da gemessen hat, aber es gibt da doch ein paar Dinge, die nicht zusammenpassen.

So gibt sie an, dass die beiden Teilimpfungen am 9. Juni 2021 und am 21. Juli 2021 durchgeführt wurden und noch heute hätte sie „Nebenwirkungen“ – was nebenbei bemerkt völlig unmöglich ist, weil der mRNA Impfstoff nur wenige Tage im Körper bleibt. Außerdem redet die gute Frau von ständigem Durchfall, Atemnot, Erkältungssymptomen. Interessant, dass sie da noch nicht völlig dehydriert ist. Dazu die angeblichen 31 Grad Körpertemperatur, die ich eher auf der Pathologie vermuten würde.

Zu dem „fehlenden Attest“: Sie hatte keinen Arzt gefunden, der ihr eine Impfbefreiung attestiert hätte. Interessant, dass sie wohl schon lange gesucht haben muss, obwohl so ein Attest ohnehin erst mit Inkrafttreten der Impfpflicht spruchreif wäre. Alles in allem eine – wieder einmal misslungene – Schwurblerkampagne.

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Wie man garantiert dumm stirbt

Wie man garantiert dumm stirbt

Zugegeben, ein provokanter Titel. Aber er trifft das Problem ganz genau – und hoffentlich dort, wo es den Betroffenen so richtig weh tut. Es geht um die „Glaubenskrieger“, die jede wissenschaftliche echte Meldung ablehnen und sich in den Sumpf von Fakemeldungen begeben, in dem sie nicht einmal merken, wie tief sie schon nach kurzer Zeit stecken.

Noch nie gab es so viele Lügen zu einem einzigen Thema im Netz und noch nie wurden so viele professionelle Desinformationskampagnen und Gerüchte gestreut. Klar ist: Fehlinformationen zerstören den sozialen Zusammenhalt. Genau darauf legen es aber auch die Urheber an, denn es ist klar, dass sich ein Teil der Gesellschaft leichter beeinflussen lässt, als die die Gesellschaft als Ganzes.

Als ob Corona nicht schon schlimm genug wäre, wird parallel noch eine weitere Seuche verbreitet – sowohl im digitalen Raum als auch offline. es werden Maßnahmen untergraben, die für die öffentliche Gesundheit wichtig sind, Misstrauen den Gesundheitsbehörden gegenüber geschürt und vor allem die verordnende Politik ebenso angegriffen, wie Befürworter, der notwendigen Aktionen, um mittelfristig ein gesellschaftliches Chaos zu verursachen.

Eine, dieser Möchtegern-Fachkräfte ist (nicht zufällig) Bundesparteiobmann einer rechtsradikalen Gruppierung, der jede Gelegenheit nutzt, um die Pandemie so lange wie möglich am Laufen zu halten, weil die notwendigen Maßnahmen dadurch auch verlängert werden müssen. Nach der bereits beschlossenen Impfpflicht ab Februar wäre es normalerweise sinnlos, dagegen zu demonstrieren, denn sie kommt ohne Demos und sie kommt mit Demos.

Trotzdem finden immer mehr Falschmeldungen den Weg in die Öffentlichkeit, was nur bedeuten kann, dass es gar nicht um die Impfpflicht geht. Jemand, der glaubt, dass ihm durch die Impfung ein zweiter Kopf wächst (was man ohnehin gerne vermeiden würde) oder die Fähigkeit, sich zu vermehren eingeschränkt wäre (was vielleicht in machen Fällen durchaus wünschenswert wäre), hat schon fast das Stadium erreicht, in dem er bereit ist, dumm zu sterben. Kann jemand wirklich ernsthaft glauben, dass er „Teil eines Experimentes“ ist?

Würde man dafür tatsächlich Leute verwenden, deren mentale Fähigkeiten so limitiert sind, dass sie selbst den größten Blödsinn glauben? Auch diejenigen, die der Verschwörungstheorie glauben, dass der „große Reset“ bevorsteht, dürfte ein Zeichen sein, in absehbarer Zeit durch den Faktor Dummheit zu sterben. Genau das passiert mit einer hohen Wahrscheinlichkeit, wenn man Impfverweigerer ist und auf der Intensivstation landet.

Ich wäre der Letzte, der Einzelpersonen daran hindern würde, sich selbstzerstörerisch zu verhalten – nach dem Motto „nur zu, Ihr sorgt dafür, dass nur noch Intelligente übrig bleiben“. Aber das Virus unterscheidet nicht zwischen Dummheit und Intelligenz und so kommen auch diejenigen zu Schaden, die genau wegen solchen Leuten kein notwendiges Intensivbett bekommen, diejenigen, die dringend auf OPs warten und Unfallopfer, die nicht mehr versorgt werden können, weil sowohl der Platz, als auch das notwendige Personal fehlt.

Viele Falschmeldungen sind gar nicht strafrechtlich relevant, aber sie führen zu Verunsicherung, Ärger und Gewalt. Für den Impf-Taliban und seine blau-braunen Helfer eine recht billige Methode, die aber bei gewissen Gruppen sehr effektiv ist. Die isolierten Wahrnehmungswelten der Kickl-Jünger und anderer fremdgesteuerten Menschen führen dazu, an Entwurmungsmittel zu glauben oder die Falschmeldung, dass Mückstein an Containern beteiligt wäre, die als Test- oder Impfboxen vermietet würden.

Meine „Lieblings-Verschwörungstheorie“ ist aber die Behauptung, dass die Covid-19 Impfung experimentell und gar nicht erforscht wäre. Mit mRNA wird bereits seit Jahren geforscht und dass ein solcher Impfstoff über geheimnisvolle Kräfte verfügen würde, der uns alle zu willenlosen Monstern macht, ist schlicht Humbug, der dafür sorgt, dass diese „Andersgläubigen“ garantiert dumm sterben. Immerhin – man KÖNNTE sich ja auf wissenschaftlicher Grundlage informieren und nicht diesen Pseudoärzten glauben, die eine FPÖ aus dem Hut zaubert. Dann würde man schnell erkennen, dass die Impfung unsere EINZIGE Chance ist.

 

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Nur ein bisschen geimpft

Nur ein bisschen geimpft

Bei so manchen Vorschlägen kann ich nur den Kopf schütteln. Natürlich betrifft die Impfpflicht auch Pflegekräfte – oder vielleicht GERADE Pflegekräfte. Immerhin betreuen sie vulnerable Patienten in Österreich. Die Impfstoffe, die in Osteuropa vorzugsweise verwendet werden, wie Sputnik oder Sinovac, sind in Österreich nicht zugelassen und gelten daher nicht.

In ihrer Stellungnahme zur Impfpflicht erklärte die Caritas, dass die Impfpflicht nach österreichischen Regeln zu einem Notstand in der 24-Stunden-Betreuung führen könnte. Die Impfpflicht soll auch für für Nebenwohnsitze in Österreich gelten, was laut Caritas rund 60.000 nach Österreich pendelnde 24-Stunden-Betreuerinnen betreffen würde.

Theoretisch müssten sie ab Mitte März Strafe zahlen, wenn sie kontrolliert werden. Klar ist, dass einzelne Berufsgruppen – besonders im medizinischen bzw. im Pflegebereich nicht von der Impfpflicht ausgeklammert werden dürfen. Es soll zwar Überlegungen geben, die Impfstoff-Liste per Verordnung ausweiten, was ich für absoluten Blödsinn halte. Es hat seinen Grund, warum diese Impfstoffe nicht zugelassen sind und ein wesentlicher Punkt, ist die fehlende Wirksamkeit.

Kurz gesagt: Die Betreffenden sind „nur ein bisschen geimpft“. Ein anderer Vorschlag kommt aus dem ÖVP-Klub. Eine Pflegekraft, die beispielsweise mit Sputnik geimpft ist, könnte sich nach einem Antikörpertest eine in Österreich zugelassene Booster-Impfung holen – und würde damit auch offiziell als immunisiert gelten.

Aus nachvollziehbaren Gründen halte ich aber auch das nicht für praktikabel. Einen „echten Nachweis“ über die angeblichen bisherigen Impfungen mit Sputnik oder Sinovac dürfte es kaum geben, denn diese Impfungen wären nicht im österreichischen Impfregister eingetragen. Damit müsste man die Booster-Impfung als ERSTE Impfung ansehen und ob das reicht, um auf vulnerable Gruppen losgelassen zu werden, möchte ich doch stark bezweifeln.

Die Caritas setzt noch eins drauf und schlägt vor, dass Pflegekräfte, die mit nicht anerkannten Impfstoffen geimpft wurden, als GENESEN gelten sollten. Also faktisch ungeimpft soll als genesen gelten. Ich kann ja verstehen, dass ein Pflegeengpass droht, aber diesen wird man nicht bekämpfen, indem man die Patienten auf diese Weise reduziert. Insbesondere durch Omikron  würde in diesem Bereich ein Anstieg der Todeszahlen folgen.

Die Caritas rechtfertigt diesen Vorschlag damit, dass es wichtig wäre, Zeit zu gewinnen. Doch das Virus hält sich an keinen Zeitplan und der Preis für dieses „Zeit gewinnen“ wäre meiner Ansicht nach deutlich zu hoch.

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Impfpflicht beschlossen

Impfpflicht beschlossen

Es war schon zu erwarten, dass es einen positiven parlamentarischen Beschluss zur Impfpflicht gibt Dennoch gab es einige Überraschungen. Zum einen die große Mehrheit von 80 % der Abgeordneten und dann waren da noch kleinere Überraschungen dabei.

137 Abgeordnete von ÖVP, Grünen, SPÖ und NEOS haben dafür gestimmt, nur 33 Abgeordnete waren dagegen – davon 28  wenig überraschend von der FPÖ. Von Kickl gab es in üblicher Lautstärke eine Hetzrede und gleichzeitig die Ankündigung, gegen das Gesetz verstoßen zu wollen. Dumm ist nur, dass er die dafür vorgesehenen Strafen wohl aus der Portokasse zahlen wird.

SPÖ-Gewerkschafter Josef Muchitsch hat ebenso dagegen gestimmt, wie Gerald Loacker, Johannes Margreiter, Stephanie Krisper und Fiona Fiedler von den NEOS. Vier weitere SPÖ Mandatare waren „krankheitshalber“ entschuldigt. Bekannt ist aber, dass die Gewerkschafter Rudolf Silvan und Petra Vorderwinkler sowie der SPÖ-Rebell Max Lercher gegen die Impfpflicht sind. Gudrun Kugler ist neben drei anderen ÖVP Mandataren ferngeblieben.

Unstimmigkeiten dürfte es wohl im Hause Strache geben. Während Heinz-Christian Strache  regelmäßig Anti-Impf-Demos der FPÖ besucht, hat die fraktionsfreie Philippa Strache für die Impfpflicht gestimmt.

Eine völlig unnötige Unterbrechung der Debatte hat sich natürlich die FPÖ geleistet. Ein Antrag der FPÖ zum Thema „Aspiration bei intramuskulärer Injektion“. Dieser Antrag sollte darauf hinauslaufen, dass der „böse Impfstoff“ direkt in die Blutbahn gelangen könnte. Dumm ist nur, dass im Grunde genommen jedes Kind weiß, dass es an der Außenseite des Oberarms keine entsprechenden Blutgefäße gibt.

Da die Regierung auch im Bundesrat eine Mehrheit hat, ist die Vorlage des Gesetzes nur eine Formsache und es wird wie geplant in Kraft treten. Die Immunität von Herbert Kickl wurde wegen Verstöße zur Maskenpflicht übrigens aufgehoben, da dies nicht in Zusammenhang mit seinem Mandat steht.

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