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Archiv der Kategorie: Außenpolitik

Der Feind heißt Russland

Der Feind heißt Russland

Es war ja nicht anders zu erwarten, aber auch die NATO reagiert (endlich) auf Putins Angriffskrieg. Das neue strategische Konzept sieht nicht nur vor, Finnland und Schweden innerhalb von 4-6 Monaten in die NATO aufzunehmen, es wird auch die Ostflanke verstärkt.

Wirklich wesentlich sehe ich allerdings die Definition von Russland als Feind: „Russland ist die größte und unmittelbarste Bedrohung für die Sicherheit der Verbündeten und für Frieden und Stabilität im Euro-atlantischen Raum„. China dürfte dabei eine Herausforderung sein. Heute haben alle 30 Mitgliedstaaten den Plänen zugestimmt.

Was bedeutet das für den Rest der Welt? Man kann Russland im Licht der feindlichen Politik und Handlungen nicht mehr als Partner betrachten. Die Nato muss jetzt ihre Verteidigungs- und Abschreckungsfähigkeit gegen die russische Gewalt signifikant steigern, da ein Angriff auf die Souveränität und die territoriale Integrität der Alliierten nicht mehr ausgeschlossen werden kann.

Inzwischen nehmen die völlig irrationalem Ideen von Putin & Co deutlich zu. So behauptet Moskau, dass die Ukrainer Waffen in den Kühlbecken des Nuklearkraftwerks Saporischschja versteckt haben, erklärte das Unternehmen auf Telegram. Deshalb planen die russischen Besatzer, die Becken zur Überprüfung zu leeren. Ohne Kühlung droht allerdings eine Überhitzung im AKW. Mich hätte aber interessiert, ob mögliche Waffen in Kühlbecken überhaupt noch funktionsfähig wären. Eher nicht, würde ich sagen.

Wie brisant die Lage tatsächlich ist, zeigt sich am Rande der „großen Politik“. Der russische TV-Moderator Wladimir Solowjow, Putins Chef-Propagandist, hat tief ausgeholt: „Da Deutschland seine Luftabwehrsysteme an die Ukraine liefert, ist Berlin nun ungeschützt. Deutschland soll die Konsequenzen des Krieges verstehen“. Und als Nachsatz: „Stalins Fehler war, Deutschland existieren zu lassen„. Das kann man nicht interpretieren. Man muss es so nehmen, wie es gesagt wurde.

Da Moderator Wladimir Solowjow zu den russischen „Meinungsmachern“ in den Medien zählt, ist klar, in welche Richtung die Erwartungen von Russland gehen.

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Kann den Krieg nicht mehr gewinnen

Kann den Krieg nicht mehr gewinnen

Da hat sie sich wieder einmal sehr weit aus dem Fenster gelehnt mit dieser Aussage: „Putin kann den Krieg nicht mehr gewinnen“, meint die ehemalige deutsche Verteidigungsministerin „Flinten-Uschi“, ähmm Ursula von der Leyen. Als offenbar weltbeste Kriegs-Strategin gibt sie eine klare Einschätzung zum Ukraine-Krieg und Putins Chancen ab.

Aber auch für sie gilt. Wenn man keine Ahnung hat – einfach einmal schweigen. Natürlich erhält die Ukraine von fast allen Staaten der Welt großzügige Unterstützungen im Kampf gegen den Kriegsverbrecher-Clan um Wladimir Putin, doch man darf Putin nicht mit normalen Maßstäben betrachten.

Davon abgesehen scheint auch abseits der Ukraine alles nach den Wünschen Putins zu laufen. Die Waffenlieferungen aus Europa bezeichnete Michael Brunner, der „Möchtegern-Bundespräsident“ als „Kriegshetze“. Außerdem sind heute mehrere Bombendrohungen heute per E-Mail an Gerichte in St. Pölten, Wien und Graz sowie an die Israelitische Kultusgemeinde und den Magistrat in Wien eingegangen. Es handelt sich wohl um eine koordinierte Aktion zum Auftakt eines Prozesses gegen einen Wiener Hassprediger.

An einer Stelle des Drohbriefes ist zu lesen: „Bomben als Rache für Ihre Hilfe an Ukraine. Sie töten unsere Brüder aus Tschetschenien“. Ein klarer Hinweis auf einen bevorstehenden Stellvertreterkrieg, den Russland und seine Gehilfen nach Europa trägt. Für mich ist jedenfalls klar, dass sich dieser russische Angriffskrieg nicht nur fortsetzt, sondern klar eine Ausbreitung findet.

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Vertrauensbasis

Vertrauensbasis

„Werden Westen nie wieder vertrauen“ meinte gestern Kremlsprecher Peskow. Ob uns das wirklich so hart trifft, wie er glaubt, lasse ich einmal dahingestellt. Russland erhebt ohnehin seit Beginn seines Kriegs gegen die Ukraine immer wieder Vorwürfe gegen westliche Staaten – schon wegen der militärischen Unterstützung der Ukraine.

Einmal ganz abgesehen davon, dass ich Russland zu keinem Zeitpunkt vertraut habe, dürfte es niemanden überraschen, dass auch der „böse Westen“ zumindest in den nächsten Generationen weder der gegenwärtigen, noch einer zukünftigen russischen Regierung einen Vertrauensbonus entgegenbringen wird.

Die Tatsache, dass der Kriegsverbrecher Putin seine Streitkräfte weiter aufrüsten will, zeigt auch, dass der Wille zum Vertrauen fehlt: „Wir werden unsere Streitkräfte unter Berücksichtigung potenzieller militärischer Bedrohungen und Risiken weiterentwickeln und stärken“ Als ob der Westen an Russland ein besonderes Interesse hätte. So sagt der kleine Wladimir: „Unter den Hauptrichtungen ist die Ausrüstung der Streitkräfte mit den neuesten Waffensystemen, die die Kampfkraft der Armee und Flotte für die nächsten Jahre und Jahrzehnte prägen wird“.

Wer will schon einem Land vertrauen, dessen wahnsinnige Führung immer wieder mit Atomwaffen droht? Ein anderes Beispiel: Die Moskauer Führung hat Litauen mit schweren Folgen für die eigene Bevölkerung gedroht, wenn das Land nicht die Transitbeschränkungen gegenüber der zu Russland gehörenden Ostsee-Exklave Kaliningrad einstellt. Moskau will im Fall Litauen mit Gegenmaßnahmen antworten, meint Sicherheitsratschef Nikolai Patruschew. „Deren Folgen werden schwere negative Auswirkungen auf die Bevölkerung Litauens haben“.

Es hat schon fast etwas von Comedy, wenn der Kreml sagt, dass er dem Westen nie wieder vertrauen wird. Dimitri Peskow lebt offenbar denselben Wahn wie Putin, denn er ist davon überzeugt, dass zahlreiche Konzerne aus Kanada, den USA und der EU zurückkehren wollen. „Unter beispiellosem Druck hätten die westlichen Unternehmen ihre Arbeit zwar eingestellt, aber trotzdem sagen sie, dass sie bei der ersten Gelegenheit zurückkehren wollen“

Vielleicht sollte ihm einmal jemand sagen, dass es dafür gar keinen Druck gebraucht hat. Ob er es verstehen würde, darf allerdings bezweifelt werden.

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Eiszeit

Eiszeit

Während die Ukraine jetzt schwimmende russische Gasförderplattformen im Schwarzen Meer mit Raketen angreift, die sich etwa 100 Kilometer von der Küste des Gebiets Odessa und 150 Kilometer von der Halbinsel Krim im Schwarzmeerschelf befinden, ist die ukrainische Regierung  sehr euphorisch, was einen raschen EU-Beitritt betrifft.

Da stelle ich mir doch die Fragen, woher die Ukraine plötzlich Raketen mit dieser Reichweite hat und womit sie die Euphorie bezüglich des Kandidatenstatus beim EU-Beitritt begründet. Eine Empfehlung der EU-Kommission ist noch lange keine Abstimmung – und die müsste einstimmig erfolgen. Selenskyj spricht von einer „historischen Woche“.

Österreich knüpft allerdings seine Zustimmung beim EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag an Fortschritte im Beitrittsprozess der Westbalkanstaaten und der liegt derzeit offenbar auf Eis. Ob Ungarn zustimmt, muss auch mit einem großen Fragezeichen gesehen werden. Österreichs Außenminister Alexander Schallenberg hat völlig Recht damit, wenn er sagt: „Wir dürfen nicht den Eindruck erwecken, dass es eine Zwei-Klassen-Gesellschaft gibt“. Damit erwartet Österreich, dass es beim EU-Gipfel ein klares Signal Richtung Osten, aber auch Richtung Südosten gibt. Gemeint sind die Balkanstaaten, die schon deutlich länger auf diesen Schritt warten.

Für Dmitri Medwedew sind hingegen atomare Abrüstungsgespräche kein Thema: „Wir haben derzeit keine Beziehungen zu den USA. Sie sind auf der Kelvin-Skala bei null. Derzeit gibt es keinen Bedarf, mit den USA über nukleare Abrüstung zu verhandeln. Das ist schlecht für Russland. Die USA sollten von selbst angekrochen kommen und darum bitten„. Unnötig zu erwähnen, dass niemals jemand bei Russland angekrochen kommen wird.

So wird die Eiszeit zwischen Russland und allen westlich orientierten Staaten noch sehr lange dauern – zumindest so lange, bis Russland von der „Größenwahn“ genannten Krankheit geheilt ist

 

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Nukleare Apokalypse

Nukleare Apokalypse

Neue Drohungen aus Russland: „Europa wird aufhören zu existieren“ Dümmer kann  der Vorschlag vom früheren polnischen Außenminister Radoslaw Sikorski in einem Interview nicht sein. Atomwaffen an die Ukraine zu liefern, wäre schon Hardcore.

Weil der Kriegsverbrecher Putin gegen das Budapester Memorandum über Sicherheitsgarantien von 1994 verstoßen hat, wäre ein solcher Schritt gerechtfertigt und würde die Ukraine vor weiteren Angriffen schützen.

Natürlich hat Moskau sofort darauf reagiert. Wjatscheslaw Wiktorowitsch Wolodin, der Vorsitzende des russischen Unterhauses, spricht von einer nuklearen Apokalypse, wenn der Westen tatsächlich Atomwaffen an die Ukraine liefern sollte. „Europa würde aufhören zu existieren

Dass damit natürlich auch Russland seine Existenz beenden würde, sagt Wolodin natürlich nicht. Diese unzähligen atomaren Drohgebärden sind langsam ermüdend, doch sie zeigen deutlich,  in welche Richtung Moskau geht und dass ein Ende des Krieges nicht absehbar ist. Dabei ist eine Lieferung von Atomwaffen an die Ukraine gar nicht vorgesehen. Und auch, wenn Selenskyj immer wieder durchklingen lässt, dass er einer  Nato-Mitgliedschaft nicht abgeneigt wäre, kann man so einen Schritt nicht wirklich in Erwägung ziehen.

Trotzdem man niemals vergessen darf, dass Russland für diesen Krieg verantwortlich ist, würde ich auch keine Atomwaffen in unmittelbarer Nachbarschaft dulden. Eine heikle Situation, die Potential hat, weiter zu eskalieren.

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Eine neue Realität

Eine neue Realität

Die Abhängigkeit von russischem Gas hat die aktuelle europäische Problemzone geschaffen und (zu) viele Jahre von sozialdemokratischen Regierungen haben auch dafür gesorgt, dass dieser Zustand so lange wie möglich anhält.

Auch Österreich ist mit reduzierten Gaslieferungen aus Russland konfrontiert. Ein Sprecher der heimischen OMV stellt fest, der russische Lieferant Gazprom hat über eine Reduzierung informiert. „Wir werden diese Mengen, sofern aufgrund des geringeren Gasbedarfs überhaupt notwendig, durch Speichermengen und Mengen vom Spotmarkt ersetzen. Die Versorgung der Kunden wäre jedenfalls sichergestellt.

Putin muss den Westen für sehr dämlich halten, denn die Erklärung für eine baldige mögliche Abschaltung von Nord Stream 1, die mit Verzögerungen bei Reparaturarbeiten begründet wird, klingt ebenso fraglich, wie die damit verbundenen Vorschläge. Konkret geht es dabei um eine Reparatur von Gas-Kompressoren, die ja nur beim Kanadischen Hersteller repariert werden könnten – es sei denn, Deutschland wäre bereit, auf deutschem Territorium diese Kompressoren reparieren zu lassen.

Und hier kommt der Kinderglaube des Kreml in Spiel. Dies wäre nämlich nur dann möglich, wenn man die Sanktionen teilweise aufhebt. Man könnte also bei dieser Gelegenheit gleich alle Sanktionen aufheben. Soweit der Gedankengang von Putin und Co.

Die Welt und besonders Europa muss sich damit abfinden, dass es inzwischen eine neue Realität in den Beziehungen zu Russland gibt. Sie heißt nicht mehr Handelsbeziehungen, sondern Lüge und Erpressung. Daher ist dringend geboten, Gas aus anderen Quellen zu beziehen – auch wenn es langfristig teurer werden sollte. Die Hoffnung, dass man die Kriegstreiber „ausbluten“ lassen könnte, wird sich wohl nicht erfüllen, denn ihr Hunger auf Land, Bodenschätze, wie Metalle und seltene Erden und „Erpresserware“, wie Getreide, Öl und Gas ist unstillbar.

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Die feuchten Träume des Kreml

Die feuchten Träume des Kreml

So dramatisch der Angriffs- und Vernichtungskrieg Russlands gegen die Ukraine auch sein mag – Dem Kreml scheint es an schwarzem Humor nicht zu fehlen. Dieser könnte sich aber langfristig als Schwarze Witwe entpuppen, denn der Kriegstreiber Putin und seine Genossen glauben offenbar wirklich daran, dass ihr Verhalten keinerlei langfristige Konsequenzen haben wird.

„Viele Unternehmen aus westlichen Ländern – darunter aus den EU-Staaten, aus den USA und aus Kanada – behalten ihr Interesse am russischen Markt“, meint Kremlsprecher Dmitri Peskow. Genannt werden H&M und ausgerechnet das schwedische Unternehmen IKEA. Spätestens bei MC Donalds sehe ich aber dunkelschwarz.

Doch da hat sich Russland ohnehin auf eine „typische Kriegslösung“ verlegt. In der Stadt Syktywkar, im Nordwesten Russlands findet sich eine Speisekarte, die es in sich hat. Dort gibt es einen „Krim-Burger“, oder auch einen „Kreml-Burger“, neben anderen so klangvollen „Burger“-Namen, wie „Panzer T-34“ oder „Interkontinentalrakete Topol-M“ fehlt nur noch ein Shake mit dem Namen „scharfe Russin“ (Die von H.C. Strache). Aber die war ebenso wenig echt, wie die russische Notlösung einer Burgerkette, welche die kulinarischen Gelüste der Jugend befriedigen soll.

Kurios auch der Gedanken, dass die Ostukraine künftig „Süd-Russland“ heißen soll. Da bin ich schon gespannt, wer so einen künstlichen „Staat“ anerkennen soll (abgesehen von Russland und Belarus).

Ein weiterer feuchter Traum kommt vom russische Politiker Jewgeni Alexejewitsch Fjodorow, der fordert, dass das Dekret zur Anerkennung der Souveränität Litauens von 1991 gestrichen wird. Die Ende der 1980er-Jahre erlassene Anerkennung wäre rechtswidrig, weil sie gegen gegen mehrere Artikel der Verfassung der UdSSR verstoßen würde. (Kleiner Tipp: Die UdSSR gibt es gar nicht mehr). Auch hätte es kein entsprechendes Referendum zur Abspaltung von der Sowjetunion gegeben.

Für mich bleibt nur die Frage, wie viele Jahre es dauern wird, bis Russlands Dauerpopulisten in der Gegenwart angekommen sind. Aber dann könnte die Gegenwart schon längst zur erdgeschichtlichen Vergangenheit gehören.

 

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Selenskyjs Drängen in die EU

Selenskyjs Drängen in die EU

Nach einer Umfrage sehen 71 Prozent der Europäer die Ukraine als Teil der europäischen Familie. Ich weiß natürlich nicht, welche Umfrage der ukrainische Präsident da meint, aber dann die Frage zu stellen, warum es immer noch skeptische Politiker gäbe, die in der Hinsicht zögern, erscheint mir doch etwas seltsam. Das meinte Selenskyj in einer Videobotschaft auf dem Kopenhagener Demokratie-Gipfel.

Er scheint einen möglichen EU-Beitritt ähnlich zu sehen, wie eine Kinokarte zu kaufen. Dabei erfüllt die Ukraine kein einziges Kriterium für einen Beitritt. Ich will das einmal verdeutlichen: Die Kopenhagener Kriterien müssten schon einmal erfüllt werden. Da wäre zum Beispiel das

Politische Kriterium: Institutionelle Stabilität als Garantie für demokratische und rechtsstaatliche Ordnung, für die Wahrung der Menschenrechte sowie die Achtung und den Schutz von Minderheiten. Da wäre interessant, was die Ukraine zum Schutz der russischen Minderheit im Land unternimmt. Schon aufgrund des Kriegszustandes  wird dieses Kriterium nicht erfüllt. Und nach dem Krieg? Aus meiner Sicht wird es niemals „normale Beziehungen“ zwischen Ukrainern und Russen geben.

Wirtschaftliches Kriterium: Eine funktionsfähige Marktwirtschaft sowie die Fähigkeit, dem Wettbewerbsdruck und den Marktkräften innerhalb der EU standzuhalten. Bis es so weit ist, werden noch Jahrzehnte vergehen. Derzeit ist nicht einmal daran zu denken.

Akquise-Kriterium: Die Fähigkeit, alle Pflichten der Mitgliedschaft – d. h. das gesamte Recht sowie die Politik der EU (den sogenannten „Akquise communautaire“) – zu übernehmen, sowie das Einverständnis mit den Zielen der Politischen Union und der Wirtschafts- und Währungsunion. Ich sehe da derzeit nur eine „Übernahme“ – und die nennen sich Finanzmittel der EU. Von EU-Recht und Pflichten ist die Ukraine auch ohne den Krieg noch weit entfernt.

Warum will die Ukraine unbedingt den Kandidatenstatus? Ganz einfach: Die Ukraine würde so konkrete Unterstützung bekommen, wenn es um den Wiederaufbau des Landes geht. Beitrittskandidaten haben Zugang zu zusätzlichen Finanzmitteln und technischer Unterstützung im Gegensatz zu den östlichen Partnerländern, die eben (noch) keine Beitrittskandidaten sind.

Und dann ist da noch eine „Kleinigkeit“: Durch eine Klausel im EU-Vertrag sind die Mitgliedsstaaten verpflichtet, im Kriegsfall einander beizustehen. Aus gutem Grund werden kriegführende Länder keinesfalls während eines Konfliktes in die EU aufgenommen. Freiheitsdrang alleine reicht nicht für einen EU-Beitritt – nicht einmal für einen Kandidatenstatus. Auch Georgien und Moldau wollen in die EU. Doch auch dort müssen die territorialen Konflikte mit Russland zuerst gelöst werden. Und auch der Schutz von sexuellen Minderheiten ist ein Thema. Rechtsstaatsprobleme haben die Ukraine genauso, wie Moldau und Georgien.

Bei einem Besuch in Estland hat auch unser Karl klargestellt, „einem EU-Beitrittskandidatenstatus der Ukraine nur gemeinsam mit dem Status anderer Beitrittswerber zuzustimmen. Für Österreich ist es „Bedingung“, dass, wenn die Ukraine einen Beitrittskandidatenstatus erhalte, „das Gleiche auch für die Staaten des Westbalkans gilt und für die Republik Moldau„.

Wenn Selenskyj also tatsächlich annimmt, in ein paar Wochen der EU als Vollmitglied beitreten zu können, oder sich trotzig in eine Ecke zurückzieht, sollte er Letzteres tun, denn mit einem Vollbeitritt sollte er erst in einigen Jahren, oder Jahrzehnten rechnen.

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Sjewjerodonezk

Sjewjerodonezk

Derzeit gibt es erbitterte Kämpfe in der strategisch wichtigen ostukrainische Stadt Sjewjerodonezk. Der zuständige ukrainische Regionalgouverneur der Region Luhansk, Serhij Gaidai sagt, dass die Stadt fast völlig unter russischer Kontrolle wäre und dass die russischen Truppen alles zerstören, was der Verteidigung nutzen könnte.

„Selbstverständlich“ hat er auch eine „Lösung für das Problem“. Die Stadt könnte von den Russen befreit werden, wenn der Westen ausreichend Langstreckenwaffen zur Verfügung stellen würde. Doch der Westen wird aus einem ganz einfachen Grund derartige Waffen nicht liefern. Mit Langstreckenwaffen würde die ukrainische Führung kaum eine einzelne Stadt „verteidigen“ – schon deshalb nicht, weil Langstreckenwaffen keine Verteidigungs-, sondern Angriffswaffen sind.

Da bereits mehrfach auch russisches Territorium von der Ukraine beschossen wurde, muss davon ausgegangen werden, dass mit Langstreckenwaffen  sogar Moskau ins Visier der ukrainischen Truppen geraten könnte. Und das mit westlichen Angriffswaffen. Für Putin und Co wäre das ein klarer Kriegsgrund und „legitime“ Angriffe auf europäische Länder.

Eine Randbemerkung sollte man auch nicht ganz übersehen. Der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow meint, „Die ukrainische Armee hat aus dem Westen bereits mehr als 150 schwere 155-Millimeter-Haubitzen aus NATO-Beständen bekommen. Die Munitionsvorräte dieses Kalibers übersteigen bereits um zehn Prozent die Bestände großer sowjetischer Kaliber zum Stand 24. Februar 2022„.

Trotzdem werden immer wieder Waffenforderungen gestellt. Zuletzt Schiffsraketen und es ist unwahrscheinlich, dass die für Schlauchboote in Küstennähe geplant waren.Dazu kommt, dass man auf Bildern aus der Ukraine hauptsächlich zerstörtes russisches Kriegsmaterial sieht, aber kaum entsprechendes Material aus der Ukraine. Meine Frage wäre nun, ob wir uns damit nicht eine weitere unkontrollierbare Supermacht basteln, deren Waffen sich irgendwann auch gegen Europa richten könnten, wenn die ukrainische Führung nicht bekommt, was sie will.

Verteidigung ist EINE Sache, aber dafür müssen auch die Mittel stimmig sein. Bei typischen Angriffswaffen bin ich mehr als skeptisch, bei einem Land, dessen Hass von Tag zu Tag größer wird, bis er nicht mehr einzuschätzen ist – auch, wenn er derzeit verständlich ein mag.

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Schlimmer als Putin?

Schlimmer als Putin?

Es ist nur schwer vorstellbar, dass es jemanden gibt, der schlimmer, brutaler und noch hetzerischer als der Kriegsverbrecher Wladimir Putin ist. Doch es ist für mich nicht nur vorstellbar, es ist auch tatsächlich so, dass zumindest in der Rhetorik jemand am Start ist, der diese Rolle noch übertrumpfen kann.

Da es sich um den Wechselbalg handelt, der sich mit Putin das Präsidentenamt auch bisher schon geteilt hat, ist es sehr wahrscheinlich, dass sich Dmitri Anatoljewitsch Medwedew bereits „in den Startlöchern befindet“, falls Putin plötzlich „ausfallen sollte. Wenn man seine Äußerungen bedenkt, die er in den letzten Tagen getätigt hat, dürfte klar sein, dass dieser Ukraine-Krieg noch lange nicht vorbei ist.

In eine Wutbotschaft an die „angeblichen Feinde meinte er auf Telegram Zitat: „Ich hasse sie. Es sind Bastarde und verkommene Menschen. Ich werde alles dafür tun, dass sie verschwinden, denn sie wollen den Tod für uns, für Russland„.

Während ich die üblichen Beschimpfungen nicht so ganz ernst nehmen kann (das gehört wohl zum Sprachschatz von Medwedew), sieht das bei der Aussage „Ich werde alles dafür tun, dass sie verschwinden“ schon wieder anders aus. Es beweist, dass es dem Kreml überhaupt nicht um „Entnazifizierung“ oder Eroberung geht, sondern dass es sich um einen klaren Vernichtungskrieg handelt. Da kann man tausende diplomatische Kanäle nutzen, daran hat der Kreml kein Interesse. So ist auch die Vorstellung, so etwas Ähnliches wie Waffenstillstand, oder gar Frieden zu erreichen, eine reine Wunschvorstellung.

Auch die aktuellen Geschehnisse erscheinen in einem ganz anderen Licht, wenn man eine ältere Aussage im Mai von Medwedew betrachtet: „Der Westen kann nicht einerseits „verrückte Sanktionen“ gegen Russland verhängen und andererseits erwarten, dass das Land Lebensmittel exportiert.“ Damit ist die russische Forderung an Selenskyj, die Häfen von den Minen zu räumen, nur eine Farce. Russland hat gar nicht die Absicht, Getreide-Exporte der Ukraine zuzulassen, denn sollten die Minen verschwinden, warten schon die russischen Kriegsschiffe darauf, in die Häfen einfahren zu können.

Ich würde nicht damit rechnen, dass Russland plötzlich einen Sinneswandel erfährt und die Welternährungskrise abwenden will. Das würde dem Großmachtstreben Putins widersprechen und Dmitri Medwedew sieht sich ohnehin als Kronprinz.

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