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Zweifel

Zweifel

Wolodymyr Selenskyj hat ernste Zweifeln an der Entschlossenheit Europas geäußert, wenn es um die Sanktionen gegen Russland geht und er bezieht sich dabei auf einen sofortigen Boykott russischer Energieträger: „Einige EU-Staaten können sich nicht festlegen, wann sie zumindest spürbar den Kauf russischer Energieträger einschränken“ Bei aller Verzweiflung sollte Selenskyj aber auch das Denken nicht ganz vernachlässigen.

Folgendes Szenario erscheint mir gar nicht so unwahrscheinlich: Natürlich könnte Europa ein generelles Energieembargo gegen Russland verhängen. Aber was wären die Folgen? Die Abhängigkeit von Russischem Gas ist mit den Jahren so groß geworden, dass bei einem plötzlichen Ausfall die Wirtschaft in Europa völlig zum Erliegen kommen würde. Massenarbeitslosigkeit auf dem gesamten Kontinent, eine europäische Armutswelle und nicht zuletzt sogar Hungersnöte sind mehr, als wahrscheinlich.

Für die Ukraine würde das auch nicht ohne Folgen bleiben, denn Hilfslieferungen wären dann ebenso wenig möglich, wie nicht offensive Waffen für Selinskyj. Wenn in weiterer Folge Europa hungert – was die meisten von uns noch gar nicht erlebt haben – wären Plünderungen mitten in Europa ebenso an der Tagesordnung, wie ein weiteres Zunehmen der Gewalt. Die Ukraine kann nicht wirklich glauben, dass unter solchen Umständen auch nur ein weiterer Flüchtling aus der Ukraine aufgenommen wird. Erstens weil sich auch die Einstellung zur Ukraine schnell ändern würde und dann muss man sich Flüchtlinge auch leisten können.

Anders ausgedrückt: Wir würden sehr schnell feststellen, dass „Teilen“ kein Wort ist, das ein hungernder Kontinent gerne verwendet. Und auch dann wären wir mit einer massiven Bedrohung durch Russland konfrontiert, denn ich habe keinen Zweifel daran, dass der Kriegsverbrecher Putin jederzeit Massenvernichtungswaffen gegen Europa einsetzen würde – besonders, wenn es sich um ein geschwächtes Europa handelt.

Das hat nichts mit mangelnder Solidarität zu tun, sondern mit einfacher Logik und die scheint Selenskyj inzwischen abhanden gekommen zu sein. Trotz noch vorhandener Solidarität mit der Ukraine, habe auch ich meine Zweifel, ob das alles auch so richtig ist, was Europa tut. Ich sehe täglich Bilder von zerstörtem russischen Kriegsgerät, russische Panzer, die entweder explodiert sind, oder zu Schrott gefahren wurden. ich sehe zerstörte ukrainische Städte und Berge von einer toten Zivilbevölkerung.

Was ist aber nicht sehe, ist zerstörtes ukrainisches Kriegsgerät. Und bei fast täglichen neuen Waffenforderungen der Ukraine frage ich mich natürlich auch, inwieweit die Waffen der Ukraine tatsächlich minimiert wurden. Dass Munition fehlt, ist für mich nachvollziehbar, aber Waffen? Ist es so undenkbar, dass wir uns unter diesen Umständen einen künftigen Gegner hochrüsten? Ganz ehrlich: Mir passt nicht, wie Selenskyj sich an Europa wendet: Ich fordere, ich verlange, ich will, ich erwarte… Gleichzeitig versteht er nicht, dass Europa auf Energie angewiesen ist, um der Ukraine auch zu helfen – oder er will es nicht verstehen. Insofern sehe ich durchaus berechtigte Zweifel in Hinsicht auf die Zeit nach dem Krieg.

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